Führungskreis öffentlicher Dienst

14. Oktober 2010

Personalentwicklung als zentrale Aufgabe für den öffentlichen Dienst

Das dritte Treffen des Führungskreises
Führungskreis 10-2010 ver.di Führungskreis 10-2010

Nach einer Betrachtung der Finanzsituation der öffentlichen Haushalte und der demografischen Entwicklung in Deutschland, stand beim dritten Treffen des Führungskreises am 14. Oktober 2010 die Personalpolitik im Mittelpunkt der Diskussion.

Frank Bsirske, Vorsitzender der Vereinten Dienstleistungsgewerkschaft eröffnete die Sitzung des Führungskreises und hob die Bedeutung des Gedanken- und Meinungsaustausches zu personalpolitischen Themen, gerade vor dem Hintergrund von Demografie sowie der Lage der öffentlichen Haushalte hervor. Sowohl für Führungskräfte, als auch für ver.di brächten die Gespräche im Führungskreis wertvolle Hinweise und zugleich würden gemeinsame Aufgabenfelder aufgezeigt.

Eine Einführung in die Thematik Personalmanagement erfolgte durch Klaus Weber, Bereichsleiter Bundesfachbereich Bund und Länder von ver.di. Klaus Weber ging zu Beginn auf die Entwicklung der Bevölkerungszahlen sowie der Erwerbstätigen in Deutschland ein. Seit Jahrzehnten sinken demnach die Geburtenzahlen und zugleich sei eine beständig steigende Lebenserwartung zu verzeichnen.  Er hob die besondere Verantwortung des öffentlichen Dienstes hervor, in dem er u. a. auf die Bedeutung öffentlicher Aufgaben für wirtschaftlichen Aufschwung, Schutz und Schaffung von Arbeitsplätzen, Finanzregulierung und einer progressiven Steuerpolitik hinwies. Den Aufgaben stünden, so Weber, allerdings immer weniger Personal zur Verfügung und zugleich würde das Durchschnittsalter der Beschäftigten enorm ansteigen. Ein Personalmanagement sei erforderlich, dass sich insbesondere den Herausforderungen des alters- und alternsgerechten Arbeitens stellt und für qualifizierten Nachwuchs sorgt. Antworten aus der praktischen Arbeit erfolgten aus den sich daran anschließenden Vorträgen.

Frau Dr. Kaiser und Frau Bramm-Eichhorn aus der Landeshauptstadt Stuttgart erläuterten die Handlungsfelder in der Personalpolitik der Stadt Stuttgart. Veränderte Rahmenbedingungen, wie technologischer Wandel, Innovationserfordernisse und Wettbewerb um Fachkräfte, stellen die Stadtverwaltung vor enorme Aufgaben. Frau Dr. Kaiser stellte die mittel- und langfristige Personalbedarfsplanung vor, mit deren Hilfe quantitative aber auch qualitative Pläne realisiert würden.  Frau Bramm-Eichhorn berichtete über konkrete Umsetzungsprojekte im Rahmen der Personalentwicklung.

Dr. Volker Bonorden, Leiter des Personalamtes des Senats von Hamburg, referierte über die Personalpolitik in der Metropole Hamburg. Die Hansestadt Hamburg als Bundesland und Stadt zugleich, sei im Kern vor die gleiche Situation gestellt, wie alle anderen Verwaltungen auch, so Bonorden. Auf Grundlage eines ausführlichen Personalmanagement-Berichtes entscheidet der Senat über die grundsätzliche Ausrichtung in der Personalpolitik. Dr. Bonorden hob die besondere Bedeutung der Beschäftigten mit Migrationshintergrund hervor und plädierte für eine unbefristete Übernahme von jungen Menschen nach ihrer Ausbildung.

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Stefan H. Lauer ist Vorstandsmitglied und Arbeitsdirektor der Deutschen Lufthansa AG. Er erläuterte die Ausrichtung eines Weltkonzerns in Fragen der Personalpolitik. Personalpolitik als Strategieprozess umfasse Human-Ressource-Management ebenso, wie die Verständigung auf gemeinsame Grundsätze und soziale Werte als Teil der Unternehmenskultur. Besondere Anstrengungen sieht der Personalvorstand in der Förderung weiblicher Führungskräfte. Große Aufmerksamkeit fanden auch seine Ausführungen zu den umwälzenden Veränderungen durch Digitalisierung und neue Medienwelten (Social Media).  Die bekannten hierarchischen Organisationsstrukturen und Arbeitswelten würden, so Herr Lauer, regelrecht aufgelöst und stellen neue Anforderungen an das Personalwesen.

In den letzten 20 Jahren wurde im Land Berlin die Anzahl der Beschäftigten im öffentlichen Dienst halbiert. Heute arbeiten noch rund 100.000 Menschen für das Land. Der Personalabbau hat Spuren im Umfang und der Qualität der öffentlichen Aufgaben hinterlassen und zugleich die Beschäftigtenstruktur in der Berliner Verwaltung drastisch überaltern lassen. Udo Rienaß ist Abteilungsleiter der Senatsverwaltung für Inneres und Sport des Landes Berlin und berichtete über die Anstrengungen von Politik und Verwaltung, trotz Kürzungsmaßnahmen im Personalsektor, eine fortschrittliche Personalentwicklung für Berlin erreichen zu können. Lediglich 2,5 Prozent aller Beschäftigten sei unter 30 Jahre alt und das Durchschnittsalter in der Verwaltung liege bei über 48 Jahren, berichtete Herr Rienaß. Dennoch sei der öffentliche Dienst für junge Menschen interessant. Er verwies auf steigende Bewerberzahlen. Gemeinwohlorientierung sei, so Rienaß ein wichtiges Pfund, mit dem der öffentliche Dienst auch bei jungen Menschen attraktiv sei.

Alle Vorträge werden den Mitgliedern des Führungskreises zugeleitet. Das nächste Treffen des Führungskreises ist für den 5. April 2011 in Berlin geplant und soll sich dann mit dem Thema „Verwaltungsführung“ befassen. Eine rechtzeitige Information an den Führungskreis erfolgt.