Führungskreis öffentlicher Dienst

3. April 2014

3. April 2014

Gute Arbeitsbedingungen als Voraussetzung für hochqualifizierte Dienstleistungen

Der Führungskreis öffentlicher Dienst befasste sich am 3. April 2014 im Rahmen der Themenreihe zu Personal- und Organisationsfragen diesmal mit den Anforderungen an gute Arbeitsbedingungen in Verwaltungen und Betrieben. Der Titel lautet: „Gute Arbeit im öffentlichen Dienst - Personalpolitik neu gemacht!“

Wie ist es um die Arbeitssituation der Beschäftigten bestellt? Was muss sich verändern? Welche Maßnahmen sind sinnvoll?

Demografische Veränderungen im Personalbestand und der steigende Personalbedarf im öffentlichen Dienst stellen heutzutage veränderte Anforderungen an die Personalpolitik.

Im Führungskreis wurden diese Handlungsbedarfe verdeutlicht und Beispiele für gelungene Initiativen für bessere Arbeitsbedingungen vorgestellt. Darüber hinaus wurden erforderliche gesetzliche und tarifvertragliche Regelungen und Mitgestaltungsmöglichkeiten der Personalvertretung aufgezeigt und die diesbezügliche Zusammenarbeit mit der Leitung einer Verwaltung oder eines Betriebes dargestellt.

Zu Beginn sprach Dr. Volker Bonorden, Senatsdirektor a. D. als Vorsitzender des Führungskreises von der Notwendigkeit einer veränderten Personalpolitik als Voraussetzung für die Erbringung hochqualifizierter Dienstleistungen. Es komme aber auf vermeintlich kleine Schritte an, etwa in dem es einen frühzeitigen Dialog zwischen der Verwaltung mit der örtlichen Personalvertretung zu beabsichtigten Organisationsveränderungen gäbe.

Ines Roth, Sozialwissenschaftlerin von der Input Consulting GmbH mit Sitz in Stuttgart stellte ein repräsentatives Ergebnis einer Befragung von Beschäftigten des öffentlichen Dienstes mittels des DGB-Index „Gute Arbeit“ zur Arbeitssituation in Verwaltungen und Betrieben vor. Die Befragungsergebnisse würden in Kürze veröffentlicht. Danach prägt die Arbeitsintensität die Arbeit in der öffentlichen Verwaltung. Positiv hingegen ist festzustellen, dass die Beschäftigten ihre Tätigkeit als sinnvoll ansehen. Das Resümee des Vortrages von Frau Roth: Gute Arbeitsbedingungen erhalten die Arbeitsfähigkeit.

Ines Roth, Sozialwissenschaftlerin von der Input Consulting GmbH ver.di Ines Roth, Sozialwissenschaftlerin von der Input Consulting GmbH

Die Befragungsergebnisse verdeutlichen, dass besonders die Arbeitsbelastung und gesundheitliche Beeinträchtigungen das Personalmanagement ein Gegensteuern erfordern. Doch wie sind Schwierigkeiten am besten zu lösen und krankmachenden Ursachen am sinnvollsten entgegenzuwirken?

Darüber referierte Professor Dr. Sebastian Brandl, Professor für Soziologie mit dem Schwerpunkt Arbeits- und Berufssoziologie sowie Sozialpolitik an der Hochschule der Bundesagentur für Arbeit in Schwerin. In seinem Vortrag ging Professor Brandl vor allem auf den Zusammenhang zwischen Umstrukturierungsmaßnahmen und gesundheitlichen Wirkungen ein.

Umstrukturierungen seien nach wissenschaftlichen Erkenntnissen ähnlich häufig anzutreffen, wie in der Industrie. Als gesundheitsfördernde Maßnahmen benannte Brandl vor allem Personalbemessung und Aufgabenzuschnitt, Arbeits-, Ablauf- und Organisationsgestaltung sowie die beteiligungsorientierte Gestaltung von Restrukturierungen.

Nach den beiden Vorträgen wurden im Führungskreis Beispiele aus Bund, Ländern und Kommunen zur Verbesserung von Arbeitsbedingungen vorgestellt.

Kodex „Gute Arbeit – Arbeit bei der Stadt Nürnberg zukunftsfähig, menschenwürdig und gemeinsam gestalten“
Wolfgang Köhler, Leiter des Referats für Allgemeine Verwaltung der Stadt Nürnberg
Gerlinde Baumeister, Vorsitzende des Gesamtpersonalrates der Stadt Nürnberg

Wolfgang Köhler und Gerlinde Baumeister präsentierten die zwischen der Stadt Nürnberg, den Gewerkschaften und dem Gesamtpersonalrat getroffene Vereinbarung für „Gute Arbeit - Arbeit bei der Stadt Nürnberg“. Die Vereinbarung umfasst u. a. Festlegungen zum Entgelt, zur Arbeitszeit, für Ausbildungsplätze und zur Demografie. Die Vorträge verdeutlichten, wie sehr es auf eine gemeinsame Zusammenarbeit zwischen Arbeitgeberseite und Personalvertretung ankommt, um erkennbar guten Arbeitsbedingungen zu erzielen.

Teilnehmer des Treffens ver.di Teilnehmer des Treffens

Gute Arbeit im Bau- und Liegenschaftsmanagement
Norbert Bulk, Personalchef des Bau- und Liegenschaftsbetriebes Nordrhein-Westfalen, Düsseldorf Franz Gilles, Vorsitzender des Gesamtpersonalrates des Bau- und Liegenschaftsbetriebes Nordrhein-Westfalen, Düsseldorf

Personalabbau und umfangreiche Organisationsveränderungen hätten negative Spuren bei den Arbeitsbedingungen für die Beschäftigten im Betrieb hinterlassen. Diese Einschätzung vertraten Norbert Bulk wie Franz Gilles. Der DGB-Index „Gute Arbeit“ und Mitarbeiterbefragungen ergäben zahlreiche Herausforderungen, aber auch positive Bewertungen, etwa die ungebrochene Freude an der Arbeit im Betrieb und die Kommunikation. Dagegen würden Arbeitsabläufe, Arbeitsmenge und Qualität der Arbeit sowie berufliche Perspektiven von den Beschäftigten kritisiert. Ein gemeinsames entwickeltes Programm solle nunmehr die Defizite beheben. Insbesondere gehe es um Arbeitsabläufe, Gefährdungsbeurteilungen, Arbeitssicherheit und berufliche Perspektiven. Das Programm wurde im Führungskreis vorgestellt.

Einblick in andere bundesweite Projekte
Dr. Hans-Joachim Schulz, Bereichsleiter Innovation und Gute Arbeit, ver.di - Bundesverwaltung, Berlin

Hans-Joachim Schulz berichtete von Ergebnissen anderer Projekte im Rahmen von „Guter Arbeit“. Er verdeutlichte worauf es ankommt, wenn eine Verwaltung oder eine Personalvertretung sich der Thematik annehme. Auch zur Möglichkeit der Bewertung einzelnen eingeleiteter Maßnahmen und deren Nachhaltigkeit wurden Hinweise gegeben. Auf der Internetseite http://www.verdi-gute-arbeit.de sind weitergehende Informationen zur ver.di-Initiative „Gute Arbeit“ nachzulesen.

Die Diskussionsrunde wurde von Klaus Weber, Bereichsleiter des Bundesfachbereiches Bund und Länder, ver.di - Bundesverwaltung, Berlin moderiert. Zu Beginn verdeutlichte Klaus Weber insbesondere den Zusammenhang von „Guter Arbeit“ und den Bestrebungen für eine demografiefeste Personalpolitik.

Zum Abschluss des Führungskreises informierte Klaus Weber über den Stand der Planungen zum bevorstehenden 12. Potsdamer Forum für Führungskräfte im öffentlichen Dienst vom 6.-7. Mai 2014. Als Thema für die nächste Zusammenkunft des Führungskreises, der im Oktober 2014 stattfinden soll, wurde die finanzielle Ausstattung der Gebietskörperschaften vereinbart. Dies geschehe vor allem vor dem Hintergrund der zu erwartenden Föderalismusreform III im Rahmen des Länderfinanzausgleichs.